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Wie Getreidebrei vor Zöliakie schützen könnte – EU-Studie erforscht Einfluss von Gluten und Muttermilch
Kleine Mengen Gluten gegen Ende der Stillzeit schützen Säuglinge mit einer erblichen Vorbelastung möglicherweise vor Zöliakie. Hintergrund dieser Überlegung sind Beobachtungen aus Schweden, wo Müttern in den achtziger Jahren empfohlen wurde, vier Monate zu stillen und danach Beikost – also auch glutenhaltige Getreideprodukte – zu füttern. In der Folge stieg dort die Zahl der Zöliakie-Patienten drastisch an. Als die Schweden die Stillempfehlung auf sechs Monate ausdehnten, sank die Anzahl an Neuerkrankungen wieder. „Offenbar ist der vierte bis sechste Lebensmonat ein entscheidendes Zeitfenster, in dem wichtige Immunprozesse reifen“, berichtet Professor Klaus-Peter Zimmer vom Zentrum für Kinderheilkunde und Jugendmedizin des Universitätsklinikums Gießen. Eine Hauptrolle spielt dabei die Besiedlung des Darms mit wünschenswerten Bakterien, die durch Stillen gefördert werden. „Dieser natürliche probiotische Faktor ist vermutlich von großer Bedeutung, wenn die ersten Dosen von Gluten auf den Säugling zukommen“, so Zimmer. Derzeit empfehlen Experten, glutenhaltige Beikost nicht vor dem sechsten Lebensmonat in den Speiseplan einzuführen. Ob erste kleine Glutenmengen im fünften und sechsten Monat und gleichzeitiges Stillen tatsächlich vorbeugend wirksam sind, wird zurzeit in einer europaweit angelegten Interventionsstudie überprüft. Die Ergebnisse der Studie werden in etwa drei Jahren vorliegen. „Erst dann wird es offizielle Empfehlungen geben“, meint Zimmer. Patienten mit Zöliakie vertragen bestimmte Getreidesorten wie Weizen, Roggen und Gerste nicht, weil diese das Eiweiß Gluten enthalten. Obwohl 25 Prozent der Bevölkerung eine erbliche Veranlagung für die Glutenunverträglichkeit haben, erkranken nur 0,5 bis 1 Prozent der Deutschen. Neben der erblichen Belastung ist also ein zusätzlicher Auslöser verantwortlich. (aid)
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